Kuala Lumpur haben wir inziwschen hinter uns gelassen. Leider hatten wir dort nur 24 Stunden Aufenthalt, aber es hat uns auch in der kurzen Zeit sehr gut gefallen. Grund für unseren Malaysia Aufenthalt war eigentlich nur das Ticket für unsere nächste große Station, Indien. Unser Flieger nach Neu-Delhi ging leider erst abends, so dass wir nach dem ganzen sight-seeing in Kuala Lumpur auf dem 5,5 Stunden Flug gut geschlafen haben. Gott sei Dank wurden wir am Flughafen von unserem ersten Hotel abgeholt. Zumindest dachten wir anfangs das wäre gut, jemand zu haben der sich auskennt, andererseits war nach der Zollkontrolle unser erster Eindruck wieder anders.
Schon aus der Luft konnten wir diese riesige Stadt mit ihren 12.8 Millionen Einwohner bestaunen, über die wir fast 10 Minuten geflogen sind. Man sieht einfach nur Lichter und Straßen überall. In der Ankunftshalle steht eine uniform Schar von dunkelhäutigen indischen Fahrern links und rechts des Ausganges und alle Augen blicken gespannt auf die Ankömmlinge und jeder Hotelfahrer versucht seinen Fahrgast zu erspähen. Sobald unser Blick nur länger als normal auf den Fahrer mit unserem Namensschild verweilt, hat er verstanden, dass wir seine Gäste sind und er macht sich gleich auf den Weg um uns am Ende des Absperrung abzufangen und will gleich unseren Gepäckwagen schieben. Ich hätte das auch wirklich selber gekonnt, aber er besteht fest darauf. Wahrscheinlich käme er den andern Indern als fauler und schlechter Fahrer vor wenn sie sehen würden dass ich den Wagen selber schieben muss. Schon auf dem Weg zum Auto ist uns die Armut und das Chaos in Indien aufgefallen. Jeder geht seines Weges, bettelnde oder verstümmelte Menschen werden liegen gelassen, davon gibt es einfach zu viele um Mitleid zu empfinden. Kinder liegen einfach mitten auf dem Boden in dreckigen, dunklen Unterführungen und schlafen. Alle Passanten steuern einfach um das zusammengekauerte Kind herum; alles ganz normal, nur nicht für uns. Auf dem Parkplatz erschrecken wir regelmässig da überall gehupt wird, aus allen erdenklichen Gründen, oder auch einfach um anzuzeigen: Jetzt komm ich. An dem Auto angekommen, erschrecken wir zuerst ein wenig, da es super klein ist und wie im ersten Moment bezweifeln, dass da 3 Personen und 4 Rucksäcke reinpassen. Aber wie wir später gelernt haben, geht in Indien noch viel mehr auf engstem Raum!

Unser Fahrer spricht nur gebrochen Englisch, aber er erklärt das es 45 Minuten bis zum Hotel im Stadtteil Karol Bagh dauert. Unsere Augen tränen ein wenig während uns auf der Rückbank den Fahrtwind durch das offene Fenster ins Gesicht bläst. Schuld an den tränenden Augen ist jedoch nicht der Wind selbst, sondern die Luftverschmutzung in Delhi: Katalysatoren, Feinstaubbelastung oder Umweltschutz ist in Indien kein beachtenswertes Thema. Die Stadt ist einfach übervoll und für uns sieht es so aus als ob hier jeder macht was er will. Kanalisation oder Hygiene ist praktisch nicht existent. Das Abwasser fliesst aus den Gebäuden auf die Straße in Richtung Fluss.
Die Eindrücke sind selbst im Dunkeln überwältigend viele. Wieder zurück zu unserer Taxifahrt ins Hotel: Rush Hour ist abends um elf schon lang rum, aber trotzdem sind die Straßen voll mit Mopeds, Tuk-tuks, kleinen Autos und großen Lastern. Die meisten Laster haben kein Licht und auch kein Rückspiegel, weswegen einfach gehupt wird wenn man überholt oder fanatisch das Fernlicht benutzt wird um den anstehenden Überholvorgang anzuzeigen. Straßenbeleuchtung oder Gehwege gibt es nicht, Schlaglöcher dafür umso mehr. Mopeds quetschen sich durch jede Kreuzung, auf einem Moped sitzen dabei meist 3 Leute oder manchmal eine ganze 5-köpfige Familie. Wie die Verkehrsregeln an Kreuzungen oder Kreisverkehren funktioneren habe ich bis jetzt nicht verstanden. Aber was ich sehe ist das jeder einfach irgendwie reinfährt, dabei ist es fast egal ob man links oder rechts herum reinfährt. Ein bisschen Hupen hier oder da und schon fährt man durch. Verkehrsteilnehmer die ich bis jetzt noch nicht erwähnt habe, sind Vierbeiner aller Art. Am meisten sieht man Kühe und Esel auf den Straßen, aber auchKamele und Hunde gibt es genügend.

Kühe sind in Indien bekanntlich heilige und keiner würde ihnen etwas tun oder sie von der Straße zerren. Auch die Kühe scheinen, im Gegensatz zu mir, die Verkehrsregeln zu verstehen und laufen wo es ihnen gerade beliebt, werden aber nie angefahren oder verletzt. Ganz im Gegenteil hat einmal eine Kuh sogar mich ein wenig zwischen sich und ein Tuk-tuk gequetscht. Das war „selbstverständlich“ mein Verschulden, ich habe ja gesehen das sie da langläuft und ich hätte weggehen können.
